Die Plattenbauten

Letzte Aktualisierung am 25.4.2018

Die Plattenbauten sind keine Erfindung der DDR, sondern wurden aus der Not geboren. Vom industriellen Bauen versprachen sich die Politiker erhebliche Kosten- und Zeitersparungen. In Fabriken massenhaft vorgefertigte Betonplatten wurden zu den einzelnen Baustellen gebracht und dann von den Bauarbeitern relativ schnell und mit wenig Aufwand vor Ort zusammengefügt. Auch die Normierung der Wohntypen half bei der zügigen Verarbeitung. Die Einheitsbauweise führte allerdings auch zur Gleichförmigkeit im äußeren Aussehen wie auch bei den Grundrissen der einzelnen Wohnungen. Durch die Entwicklung von immer mehr Variationen der Plattenbau-Typen versuchte man gegenzusteuern.

Der bekannteste Typ war die WohnungsBauSerie WBS 70, die 1970 entwickelt wurde. Sie war das mit 650.000 Wohneinheiten (WE) am weitesten verbreitete Plattenbausystem der DDR. Zunächst wurden fünf- und sechsgeschossige Bauten errichtet, später auch elfgeschossige.

Nach Mauerfall und Wiedervereinigung sorgten insbesondere westdeutsche Medien mit negativer Berichterstattung über die Plattenbau-Viertel für ein schlechtes Image der „Platte“. Es war vom „Arbeiterschließfach“ oder auch vom „Wohnklo mit Kochnische“ und von sozialen Brennpunkten die Rede. Durch die Sanierung der Plattenbauten und die inzwischen üppig gewachsene Natur bietet sich Betrachtern und Anwohnern heute ein deutlich besseres Bild.

Der Plattenbau-Wohnkomplex WK Cecilienstraße entstand Anfang der 80er Jahre. Auf dem uns vorliegenden Übersichtsplan vom VEB Wohnungsbaukombinat Berlin sind alle Bauten mit Objektnummern eingezeichnet und aufgelistet. Wege und Straßen sind noch unbenannt – außer Cecilienstraße und Otto-Buchwitz-Straße (seit 31.1.1992 Blumberger Damm).

Es folgt eine Liste mit den heute zwar sanierten, aber immer noch sichtbaren Plattenbau-Typen mit den zugehörigen Objektnummern und Straßennummern.

WBS70/5+1: Garzauer Str 14-28 (hier mit Vorgärten)
WBS70/5+1: Garzauer Str 14-28 (hier mit Vorgärten)

WBS 70/5+1 (5 Geschosse + 1; die 1 könnte darauf hinweisen, dass dieser Bautyp in der Regel mit 5 Geschossen erstellt wird, hier aber noch um 1 Geschoss erhöht wurde). Das ist der meistverwendete Plattenbautyp im CV.
Objektnummer 20: Buckower Ring 1-7
21: Wuhlestr. 1-7
22: Buckower Ring 9-13
23: Buckower Ring 15-19
24: Buckower Ring 21-25
25: Buckower Ring 27-31
26: Buckower Ring 41-45
27: Buckower Ring 47-51
28: Buckower Ring 53-57
29: Buckower Ring 59-63
30: Garzauer Str 22-28
31: Garzauer Str 14-20

 

Garzauerstr 2-12 mit Ladenzeile
Garzauerstr 2-12 mit Ladenzeile

WBS 70/6 mit Funktionsunterlagerung (Ladengeschäfte und Dienstleistungen im Erdgeschoss)
32: Garzauer Str 8-12
33: Garzauer Str 2-6

 

Elfgeschosser am Buckower Ring 33-39 (Rückansicht)
Elfgeschosser am Buckower Ring 33-39 (Rückansicht)

WBS 70/11 Übergangsvierspänner
Plattenbautyp, bei dem je vier Wohnungen an einem Treppenpodest in jedem Stockwerk liegen, im Gegensatz z. B. zum Zweispänner mit 2 Wohnungen. Die 11 ist hier der Hinweis auf die vorhandenen 11 Stockwerke.
06: Wuhlestr. 27-29 abgerissen
07: Wuhlestr. 31-33 abgerissen
14: Wuhlestr. 2-4 abgerissen
15: Wuhlestr. 6-8 abgerissen
16: Buckower Ring 37-39
17: Buckower Ring 33-35

 

QP 71R mit 10 Geschossen an der Wuhlestr. 21-25
QP 71R mit 10 Geschossen an der Wuhlestr. 21-25 (aus Gründen der Energieeinsparung wurden beim Typ R alle Fensterflächen verkleinert)

QP 71
Das Q steht für Querwandbauweise und das P für Plattenbau. Die Wohnblöcke wurden mit 3 oder 4 Aufgängen entwickelt. Im CV wurden bei diesem Typ nur 10-Geschosser verbaut.
02: Buckower Ring 73-79
03: Wuhlestr. 9-13 kein Durchgangsverkehr mehr möglich
04: Wuhlestr. 15-19 kein Durchgangsverkehr mehr möglich
05: Wuhlestr. 21-25
08: Cecilienstr. 158-162 abgerissen
10: Buckower Ring 65-71
11: Cecilienstr. 178-182
12: Cecilienstr. 172-176
13: Cecilienstr. 166-170

 

Mittelganghäuser am Blumberger Damm 4-6
Mittelganghäuser am Blumberger Damm 4-6

Mittelganghäuser Typ Gera
Dieser Plattenbautyp hat lange zentrale Flure quer durch das Gebäude, von denen dann alle Wohnungen links und rechts erreichbar sind. Da die Wohnungen voneinander durch einen Flur auf jeder Etage getrennt sind, können die Häuser bei Bedarf auf jeweils Vor- und Rückseite mit Balkonen ausgestattet werden. Ein weiteres Erkennungszeichen von Mittelganghäusern ist die Verglasung an den Stirnseiten, um Tageslicht hereinzulassen. Die Wohnungen selbst sind eher klein. Mittelganghäuser eignen sich besonders gut als Wohnheime. Weil Architekten aus Gera speziell diese Wohnblöcke am Blumberger Damm konzipierten, wurden sie in den Bauplänen „Mittelganghäuser Typ Gera“ genannt.
G01: Blumberger Damm 8 Altersgerechter Wohnraum
G02: Blumberger Damm 10 Altersgerechter Wohnraum
G03: Blumberger Damm 4 Arbeiterwohnheim
G04: Blumberger Damm 6 Arbeiterwohnheim
G05: Blumberger Damm 12 Lehrlingswohnheim
G06: Blumberger Damm 14 Lehrlingswohnheim
Foto: Mittelganghäuser am Blumberger Damm 4-6

Ebenfalls als Plattenbauten erstellt wurden
1 Feierabendheim (Volksolidarität), 7-geschossig, unbekannter Bautyp
3 Kinderkombinationen (davon wurde eine abgerissen), 3-geschossig mit 2 Eingängen, vermutlich WBS70.
2 Polytechnische Oberschulen (beide abgerissen), über Größen und Aussehen können derzeit keine Aussagen gemacht werden. Wer kann helfen?

Copyright: http://cecilienviertel.de/das-cecilienviertel-2/die-plattenbauten/

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